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Die Clickworker

Michael Seibel • Künstliche Intelligenz ist in einem strengen Sinn kollektive Intelligenz   (Last Update: 01.07.2020)

Wenn man unsere Überlegungen zur künstlichen Intelligenz revue passieren lässt, können wir sie folgendermaßen zusammenfassen:

Wir haben unsere Gedanken unter ein epistemologisches Interesse gestellt, indem wir nach der Genealogie von Ähnlichkeit gefragt haben. Wir haben im Zuge dessen die logisch-technische Arbeitsweise neuronaler Netzwerke beschrieben, weil sie erstmals ein Modell für eine Genealogie von Ähnlichkeit bietet, die in der Evolutionsgeschichte des Lebens stattgefunden hat.

Wir haben es an dieser Stelle abgelehnt, Ähnlichkeit von Identität oder von Differenz aus zu denken und sind an Stelle dessen von Algorithmen ausgegangen, weil uns das Interessante daran zu sein scheint, dass es Algorithmen sind, die Logiken erst in Geltung setzen und nicht umgekehrt.

Die Grundannahme jeder Logik ist, dass bereits aus reinen Formen etwas folgt. Die Annahme, die man mit dem Begriff Algorithmus zugrunde legt, ist dagegen, dass aus Formen nur dann etwas folgt, wenn man sie betreibt. Und das Interessante an neuronalen Netzen ist, dass ihre Form sich verändern kann und feste (logische) Formen Ergebnisse von Genealogien sind.

Das Erkennen von Ähnlichkeiten war für uns sogleich auch Anlass zu fragen, ob künstliche Intelligenz überhaupt möglich, ja ob der Begriff 'künstliche Intelligenz' überhaupt sinnvoll ist. Als Beweis dafür wird die Möglichkeit, mit Maschinen Ähnlichkeiten zu erkennen, ja landauf und landab angeführt. Intelligenz in diesem Sinn ist Lösungskompetenz für gestellte Aufgaben. Insofern bezieht sich der Intelligenzbegriff weder auf Menschen, noch auf Maschinen, sondern auf jeden Aufgabenlöser, wer immer das auch sei.

Wir haben also zeit- und stofflich-energie-abhängige, enkorporierte Algorithmen auf der einen Seite, unsere Aufgabenlöser, ob Mensch, Maschine oder Affe, und wir haben auf der anderen Seite, bisher noch ganz unbeleuchtet, die dazugehörigen Aufgabensteller.



Wer stellt die Aufgaben, an denen sich entscheidet, ob eine Entität intelligent ist oder nicht? Im Fall von Intelligenztests sind das zunächst Psychologen. Im Fall von KI-Programmen sind das die unterschiedlichsten Akteure des Wirtschaftslebens, der Wissenschaften, der nationalen und internationalen Politik und des Militärs, - so allgemein und neutral ausgedrückt wie nur möglich - in Reaktion auf Anforderungen, die von wo auch immer an sie ergehen. Es sind die jeweiligen Gesellschaften, die sich ihrer Ressourcen vergewissern, während sie sich verändern, Gesellschaften, die sich selbst beobachten.



Es ist zu erwarten, dass sich bestehende Sozialstrukturen in Leistungsgesellschaften verändern werden, abhängig von den Antworten, die sie auf die Frage finden: Wer ist intelligent, wer bringt die Kompetenz mit, unsere Aufgaben zu lösen und wer nicht?



Ist der Sozius, der gesellschaftliche Akteur, wer des näheren auch immer das ist, überhaupt selbst intelligent genug, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, oder ist er auf beiden Augen blind? Dafür haben wir bis jetzt kein einziges Kriterium herausgearbeitet. Wir haben nicht einmal die Aufgabe auch nur ansatzweise beschrieben.



Solche Antworten zu finden ist kein rein theoretischer Akt. KI gibt die Antwort, ob sie intelligent ist oder nicht, in unseren Wirtschaftsordnungen unmittelbar praktisch. Neuartige Produktionsprozesse werden angestoßen, Konsumtionsweisen unterstützt und politische Steuerungsprozesse angepasst.



Erste brisante Auswirkungen sind sichtbar, die zeigen, das es letztlich um die Bestimmung kulturell gesellschaftlicher Verhältnisse geht und nicht um Neubestimmungen des Verhältnisses des Menschen als biologischen Wesens zur Maschine.



Clickworker - das Mikrobiom der künstlichen Intelligenz


Clickworker sind sozusagen das intestinale Mikrobiom der KI. Wie unser eigener Organismus ohne im Schnitt 1,5 kg Bakterienmasse im Darm nicht existieren könnte, so kann die KI auf ihre Clickworker nicht verzichten.

Clickworker sind eine der Kehrseiten der KI. Stand Sommer 2020 gibt es weltweit mehr als 2000 Plattformen, die kleinstportionierte Computer-Heimarbeit anbieten. Solche Arbeitsangebote annehmen kann jeder, der über das Internet vernetzt ist. Angeboten werden alle Arten von gering qualifizierter Arbeit, die sich digital erledigen lassen und vor allen, die sich beliebig fein in Mikro-Stückchen portionieren lassen.


Menschen, die solche Arbeit annehmen, sei es für nur 5 Minuten, für einen Tag, für viele Monate oder ihr Leben lang wieder und wieder, konkurrieren schlichtweg mit jedem auf der Welt, der ans Internet angeschlossen ist und gerade Geld braucht. Man kann jederzeit einsteigen, jederzeit aussteigen, jederzeit gefeuert werden. Clickworker sind rechtlos. Ihre Auftraggeber übernehmen keinerlei Verantwortung. Clickworker sind hyperflexible, digitale Tagelöhner zu Stundenlöhnen von 10 Cent, wenn es schlecht läuft und 3 USD, wenn es besonders gut läuft.


Clickworker rahmen z.B. in Heimarbeit Objekte aller Art auf Millionen von Photos ein, damit KI-Programme, die trainiert werden sollen, in Zukunft Menschen im Straßenverkehr besser erkennen können. Die Angaben einzutippen, um welche Ziffern es sich auf den 28 mal 28 Pixel Abbildungen der MIST-Datensätze wirklich handelt, mit denen wir oben gearbeitet haben, das hätte eine Arbeit für Clickworker sein können. In Deutschland gibt es schon mehr als eine Million Clickworker.


Clickworker sind die notwendige Bedingung dafür, dass künstliche Intelligenz menschliche Intelligenz nachahmen kann.


Facebook benötigt tausende von Clickworkern, - eleganterweise über Subunternehmer, man ist so als Arbeitgeber selbst einfach flexibler -, um Hassmails, Pornos oder Gewaltdarstellungen zu lösen.


Wenn wir gefragt haben, ob künstliche Intelligenz möglich ist, so sollten wir das jetzt endgültig rundheraus bejahen. Künstliche Intelligenz, das sind Maschinen plus Armeen von Klickworkern.


Klickworker arbeiten parasitär. Aber natürlich sind nicht die Clickworker die Parasiten, sondern ihre Arbeitgeber. Sie zahlen bei weitem weniger, als zum elementarsten Lebensunterhalt nötig ist. Sie leisten für ihre Mitarbeiter weniger als ein Bauer für seine Schweine in der Massentierhaltung, der sie zumindest ernährt, bis sie schlachtreif sind und ihnen so lange wenigstens einen Schlafplatz gibt, wenn sich darin buchstäblich keine Sau umderehen kann. So viel tun die Arbeitgeber der Clickworker nicht. In Ländern mit Sozialsystemen parasitieren sie die Sozialsysteme, die an ihrer Stelle ihre Arbeiter am Leben halten. Existiert kein Sozialsystem, verbrauchen sie die Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter einfach nur so lange wie möglich. Messlatte ist der jeweils weltweit schlechteste existierende Sozialstandard. Was das Arbeitsrecht angeht, erscheint der globale Click-Arbeitsmarkt als ein einziges unregiertes Machtvakuum. Ist einem Clickworker der Verdienst zu gering, dann macht es vielleicht jemand aus Mali oder Venezuela. Er sitzt nur einen Click entfernt am PC. Für wen sind ein oder zwei Dollar besser als nichts? Möglicherweise für jemand aus Venezuela, denn gezahlt wird in Dollar. Wenig aber sofort. Das ist in Venezuela gegenwärtig ziemlich konkurrenzfähig. Offensichtlich ist das für viele Deutsche aber auch interessant. Es erhöht die Sozialbezüge, ohne dass das Amt etwas mitbekommt.

Clickworker sind Verbrauchsmaterial. Zwischen Clickworkern und ihren Arbeitgebern steht eine absolut intransparente Wand. Sie haben meist keinen Kontakt miteinander, wenn sie von zuahuse arbeiten. Man kann als ihr Arbeitgeber also leicht mit der Vorstellung leben, es gäbe keine Clickarbeiter hinter der Wand. Was es gibt, sind nur Mikrojobs. Bilder ohne Rahmen, Videos ohne Freischaltung, Fragebögen ohne Häkchen. Unerledigte Jobs also. Jobs, die zu erledigen nur wenige Sekunden kostet. Würde man dem Menschen, der den Job erledigen wird, in der Zeit, die er dafür braucht, ins Gesicht schauen, die Zeit wäre zu kurz, um ihn zu erkennen, erst recht, um sich ihn zu merken, um auch nur auf die Idee zu kommen, man könnte für irgendetwas, das mit dem Leben dieses Menschen zu tun hat, jemals verantwortlich sein. Man würde gerade mal soviel von ihm erkennen, wie er von dem Photo erkennt, auf dem er gerade den Passanten einrahmt, damit eine KI später einmal, nach tausenden ähnlicher Beispiele erkennt: dies ist ein Passant.


Der Mensch kommt nicht vor


Der Clickworker, er mag Mensch sein oder nicht, kommt als Mensch nicht vor. Nicht in seinem Arbeitsprozess, aber wahrscheinlich kommt der Mensch auch bereits im Intelligenzbegriff selbst nicht vor. Wir sind nicht die ersten, die das sagen. Adorno k├Ânnte mit seinem Monitum in diese Richtung einfach recht gehabt haben. Auch die Intelligenz des Clickworkers kommt als menschliche Intelligenz nicht vor. Menschliche Intelligenz kommt vor als Job, der erledigt werden muss, als Trainingsmaterial, als ein noch fehlendes Stück Ding-Intelligenz einer Maschine. Diese Ding-Intelligenz kommt vor als unrealisierte Forderung von Ingeneuren und Programmierern und als Businessplan von Unternehmen. Dieses fehlende Etwas ist das, was mit dem Namen menschliche Intelligenz bezeichnet wird. Im Kopf des Clickworkers kommt das so ohne weiteres gar nicht vor. Man muss ihn erst einarbeiten. Man muss ihm sagen, was Facebook gegenwärtig unter einem pornographischen Foto versteht und was nicht. Er soll nicht löschen, was er meint, sondern was Facebook meint. Das braucht nicht viel zu tun zu haben mit dem, was er selbst darunter versteht. Menschliche Intelligenz kommt vor als noch nicht gezahltes Honorar von 5 Cents. Sie kommt vor als Status eines Jobs: unerledigt. Ist das Kreuz da, der Rahmen gezeichnet, das Häkchen gesetzt, dann ändert sich der Jobstatus in erledigt, der Honorarstatus in ausgezahlt und der Clickworker ist wieder verschwunden. Das Häkchen ist nicht seine Spur, sondern die Spur eine IP-Nummer. Es gibt keine Erinnerung an ihn. Nirgends. Wenn alles gut geht, und das KI-Programm für autonomes Fahren des Tesla, der ihm vielleicht irgendwann einmal begegnen wird, (vorausgesetzt, in dem Slum, den er dann möglicherweise bewohnt, gibt es asphaltierte Straßen,) arbeitet korrekt, dann hat er Glück und das eingesetzte Teslas KI-System erkennt in ihm einen Passanten und bremst rechtzeitig, selbst dann, wenn die Entwickler dieses Programms niemals zuvor einen Menschen in ihm gesehen haben oder eine menschliche Intelligenz.


Man könnte auf die Idee kommen, Clickworker seien nur so etwas wie die Kinderkrankheit der KI. Das sind sie nicht. Was diese Form von Arbeit erzeugt, ist das Funktionieren der künstlichen Intelligenz, nicht das Nicht-Funktionieren. Je mehr KI, je mehr Clickworker und je feiner atomisierte Arbeitsportionen, je mehr digitale Produktion, je dichtere Taxierung der Menschen, je mehr subtile, korrekturbedürftige Bewertungen. Dabei sind Clickworker reine Unkosten, die den Ertrag mindern. Eigentlich geht es der KI ja um automatisierte Prozesse. Die Ecken und Kanten, an denen sich der Kommunikationsprozess mit uns Menschen verhaken kann, sind nicht mehr grobe Differenzen, sondern immer feinere Fehler selbstähnlicher Prozesse wie bei einer Mandelbrotmenge. Mit dem einen Unterschied allerdings, dass die Mandelbrotmenge nach einem einfachen Gesetz aufgebaut ist, das sich in der KI nicht finden will.


Wenn wir die Bereiche durchgehen, in denen KI heute wirtschaftlich interessante Leistungen erbringt, fällt besonders der Bereich heraus, in dem mittels KI die unterschiedlichsten Formen von Kommunikationen mit und zwischen Menschen angeregt und gesteuert werden. In diesem Bereich zu dem die Computerspielindustrie ebenso gehört wie der Vertrieb von Waren und Dienstleistungen und die gesamte Steuerung von Sozial Media ist die Imitationserwartung an die KI, der Reiz, etwas herzustellen, das dem berühmten Turing-Test standhalten würde, bei dem also nicht auffallen soll, dass es maschinengetrieben stattfindet, besonders naheliegend. Hier ist es geradezu Sinn und Zweck von KI-Lösungen, nicht aufzufallen, intelligent und einiges mehr zu erscheinen, das man sonst von verteauten Menschen erwartet. Bei weitem nicht alles, was heute via KI geleistet wird, fällt in diesen Bereich. Ein Roboter, der in einem Produktionsbetrieb Teile bewegt oder Autos zusammenbaut, muss das qualitativ hochwertig tun, aber es ist keineswegs erforderlich, dass er es auf die gleiche Weise erledigt, wie ein menschlicher Arbeiter. Es ist in diesem Bereich irrelevant zu fragen, ob seine Ding-Intelligenz menschliche Intelligenz emuliert oder nicht. Es geht natürlich auch in der Robotik um ein anspruchsvolles Erkennen von Ähnlichkeiten zum Teil mit sehr knapp bemessenen, schwer zu erreichenden Toleranzen oder in extrem schnellen Zeittakten wie etwa in der optischen Materialprüfung. Wenn es auch in der Robotik um Ähnlichkeit geht, dann um einen Prozess des elementaren Erkennens von Mustern auf Grundlage via Sensoren zugeführter Daten. Der elementare Vorgang, zu dessen Veranschaulichung uns oben die Erkennung handgeschriebener Ziffern gedient hat, findet sich durchaus auch hier wieder. Auch hier muss, um zu Urteilen zu kommen, ständig erneut mit elementaren Ähnlichkeiten begonnen werden. Repräsentationen – ein wirklich großes Thema in der KI und den Kognitionswissenschaften - kürzen den Weg nur ab und kommen noch nicht einmal ins Spiel, wo sich erinnert wird, sondern vor allem da, wo mit anderen Agenten kommuniziert werden muss.


Sobald Leistungen auf den Menschen und die Kommunikation mit ihn zulaufen, also zum Beispiel überall, wo mittels KI Geschäft generiert, Nutzen versprochen, gespielt oder gedroht werden soll oder wo menschliche Anforderungen in Produktentwicklungen einfließen sollen, kommt es zum beschriebenen Kulturbruch: KI-Programme müssen sozusagen Menschensprache sprechen und/oder Menschen müssen ihre eigene Kultur, in KI-Sprache gesagt: das Set ihrer Gewichtungen und Bias' maschinisieren. Beides zu unterscheiden ist schwer, und ich weiß nicht, ob es nicht eine Illusion ist, beide Näherungsrichtungen dieser permanenten Übersetzung überhaupt unterscheiden zu wollen. Die offenbar völlig unterschiedliche Genealogie von menschlicher und von Ding-Intelligenz legt nahe, dass es besser wäre zu unterscheiden. Die illusorische Erwartung, dass es diese Kluft gar nicht erst geben darf (dass es nur ein einziges Denken geben darf, nur eine gültige Art, zu Entscheidungen zu kommen, nur eine Kultur und nur einen Gott – diese Vorstellung ist heute so verbreitet wie eh und je, richtiger wird sie dadurch nicht!) und die Tatsache, dass die Forschung mit dem Computer nach dem 2. Weltkrieg ein starkes neues Mittel in die Hand bekommt, das Rechenaufwand und Datenmassen beherrschbar macht wie nie, hat bei vielen dazu geführt, diese Kluft, die es nicht geben darf, von Seiten von Computermodellen aufzufüllen und den Geist wieder mal more geometrico zu denken. Uns Philosophen ist das nicht neu. Man muss sagen, dass wir in der Neuzeit keineswegs nur schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Lassen wir also den Cognitionswissenschaften ihre Modelle. Ja, es ist durchaus möglich, dass uns neuronale Netzwerke erkenntnistheoretisch ein gutes Stück weitergebracht haben und in Zukunft auch noch weiter bringen werden. Dazu ist es keineswegs notwendig, dass die modellhaften Strukturen, das was sie Neuron und was sie Vernetzung von Neuronen nennt, wirklich so etwas wie ein Schaltbild unserer biologische Gehirns darstellen.


Viel wichtiger zu bemerken ist allerdings: Es ist schlichte Selbstüberschätzung, wenn wir glauben, wir könnten Maschinen dazu bringen, uns zu imitieren, ohne das wir beginnen, sie unsererseits zu imitieren. Gegen ihren Willen tun das Millionen Clickarbeiter gerade. Willentlich und gänzlich unbezahlt – im Gegenteil – tun das Millionen Videospieler und nicht nur sie. Und wenn selbst der abwegigsten eigenen Meinung in den sozialen Medien eine Maschine zustimmt, warum sollte man es dann all zu genau nehmen und pikiert sein wie die Prinzessin auf der Erbse und diesen Turing-Test nicht gelten lassen? Es war noch nie unattraktiv, Zustimmung von Maschinen zu erfahren. Woanders nennt man so etwas 'Freude am Fahren'.


Oben habe ich es näher ausgeführt: Wenn man ein neuronales Netzwerk nach einer beliebigen Anzahl von Epochen betrachtet, kann es vorkommen, dass es Muster erkannt hat, auf die wir noch bisher nicht geachtet haben und die keinen Sinn für uns haben. Es ist, als stände man vor einer fremden Kultur, und als fehle die Verständigung. Ich habe in diesem Zusammenhang bemerkt, dass das Problem, als Dritter ohne Kenntnis des inneren Aufbaus des Netzes dessen Ergebnisse nachzuahmen, einem kryptographischen Problem ähnelt.

Wir sagten, dass es sehr viel einfacher wiewohl auch da schon schwer genug ist, mit einem vorhandenen Set an Werten täglich in die Welt hinaus zu gehen und andere Menschen zu treffen, wie das jeder von uns tut, mit einem Set von Werten, das sich zudem auch noch ständig langsam verändert, als aus Ergebnissen auf die fein abgestimmten Gewichtungen zurückzuschließen, die zu den Ergebnissen geführt haben. Solange wir von der KI die Imitation unserer eigenen Intelligenz verlangen, die wir nicht einmal präzise beschreiben können, erzeugen wir laufend einen ungeheuren Korrekturbedarf. Je mehr, je besser sie die KI funktioniert.

Letztlich imitieren wir uns mit der KI nicht selbst, auch wenn uns das so scheint. Aber ob wir eine Imitation fordern, die uns nicht gelingt, oder ob wir mit etwas im Grunde sehr Differentem arbeiten, das uns einfach nur ähnlich mit unserer eigenen Intelligenz erscheint: beides ist der selbe inflationäre Korrekturaufwand.


Künstliche Intelligenz ist kollektive Intelligenz


Künstliche Intelligenz ist kollektive Intelligenz. Sie ist als das real und die Frage, ob sie möglich ist oder nicht, stellt sich nicht. Selbstverständlich ist sie real, selbstverständlich ist sie verkörpert. Selbstverständlich ist sie möglich. Man könnte das Entwicklungsgesetz der KI - verstanden als kollektive Intelligenz - in einem einzigen Satz zusammenfassen, und das sei unser Schlusssatz:


Wo Ähnlichkeit war, soll Selbstähnlichkeit werden.


Wer dieses Grundgesetz der KI nur affirmiert, gibt sich auf.




Foto: monika m. seibel www.photographie-web.de



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